Botulinum bei Depressionen und Borderline Störungen

Depressionen sind ein sehr weit verbreitetes Krankheitsbild und können die Betroffenen durch zahlreiche Symptome beeinträchtigen.

Hierzu zählen neben Apathie und Antriebslosigkeit auch Konzentrations- und Schlafstörungen, der Verlust sozialer Kontakte und Kopfschmerzen.

Es wird bei der Entstehung ein multifaktorielles Geschehen vermutet, sowohl Über- als auch Unterfunktionen einzelner Hirnareale spielen eine Rolle. Unter anderem kann eine Überfunktion des Mandelkerns sowie von Anteilen der Großhirnrinde zur vermehrten Wahrnehmung negativer Erlebnisse führen. Die Muskeln der Zornesfaltenregion (Glabella), die Sorge und Kummer ausdrücken, sind bei Patienten mit Depression häufig überaktiv und in Daueranspannung.

Nach ersten positiven Berichten zur Besserung der Symptome nach der Behandlung mit muskelentspannendem Botulinum (z.B. Botox®) zeigen nun eine Reihe von Folgestudien ähnliche Resultate: Muskelentspannung durch Botulinum kann zu einer signifikanten Verbesserung des Befindens bei depressiven Patienten führen.

Dabei spielt der kosmetische Aspekt (verbessertes Aussehen mit Steigerung des Selbstwertgefühls) nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist die Facial-Feedback-Hypothese: Wer die Trauermuskeln aktiviert, fühlt sich auch schlechter. Dabei scheinen komplexe Rückmeldungen zwischen Rezeptoren im Muskel, die die Anspannung messen und Hirnarealen verantwortlich zu sein.

Inzwischen gibt es auch erste Studienergebnisse bei Borderline Persönlichkeitsstörungen, die eine Verbesserung von Symptomen wie Depression, Impulsivität und autoagressivem Verhalten zeigen.

Weitere Studien werden zeigen, ob sich das an großen Patientenzahlen bestätigen lässt. Sie sehen: Botulinum ist nach wie vor eines der spannendsten Medikamente mit einer zunehmenden Zahl von Indikationen und Zulassungen.