Botulinum gegen Depressionen

Im Februar 2012 erschien im Journal of Psychiatric Research der Artikel: „Facing depression with botulinum toxin: A randomized controlled clinical trial“ von M.A. Wollmer et al.

In einer doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie an 30 Patienten untersuchten Neurologen aus der Schweiz und Deutschland den Einfluss einer Behandlung der "Zornesfalte" (Glabellaregion) mit Botulinumtoxin auf Symptome einer Depression. Zur Objektivierung der Befunde wurden validierte Rating Scales herangezogen.

Dabei ergab sich, dass eine einmalige Behandlung der Glabellaregion einen deutlichen und über den Beobachtungszeitraum von 16 Wochen eher zunehmenden verbessernden Effekt zeigte bei Patienten, die auf vorangehende antidepressive Behandlung nicht ausreichend angesprochen hatte.

Als zugrundeliegender Mechanismus wird ein Biofeedback-Mechanismus zwischen mimischer Gesichtsmuskulatur und Gemütszustand vermutet.

In vorangehenden Studien konnte gezeigt werden, dass negative Emotionen wie Ärger, Angst und Traurigkeit mit einer erhöhten muskulären Aktivität der „Zornesfaltenmuskeln“ Corrugator und Procerus einhergehen (Ekman und Friesen, 1978). Bei Patienten mit Depressionen konnte eine Überaktivität dieser Muskeln festgestellt werden (Schwartz et al 1976).

Weiterhin konnte in mehreren Arbeiten eine Steigerung des Wohlbefindens und eine Verringerung negativer Gefühle beobachtet werden (Sommer et al 2003, Heckmann et al 2003, Davis et al 2010). 2009 konnte eine Arbeitsgruppe mittels MRT Untersuchungen Hinweise auf zentralnervöse Feedbackmechanismen zwischen mimischer Muskulatur und Hirnstammregionen, die an der Entstehung von Emotionen beteiligt sind, nachweisen: nach Entspannung der mimischen Muskulatur mit Botulinum zeigte sich eine Modulation in der Aktivierung von Hirnstammregionen, die für Gefühle verantwortlich sind. Die Autoren schlossen daraus, dass durch Feedbackmechanismen durch Entspannung der Gesichtsmuskulatur eine Beeinflussung zentraler „Gefühlsschaltstellen“ möglich sei (Hennenlotter et al, 2009).

Aufgrund der noch kleinen Fallzahlen werden noch weitere Studien notwendig sein, um eine endgültige Aussage zu ermöglichen.

Insgesamt handelt es sich aber um eine sehr interessante Beobachtung, die viele Anwender durch Beobachtungen im eigenen Patientenklientel bestätigen können.