Presse-Statement zum FOCUS-Artikel vom 1. September 2008

Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie e.V. (DGBT) möchte Stellung nehmen zu dem Artikel im FOCUS "Die heilsame Giftspritze", der am Montag, den 1. September 2008 veröffentlicht und von zahlreichen Medien verkürzt zitiert wurde. In diesem Artikel wird beschrieben, dass der europäischen Bewachungsbehörde EMEA "bis August 2007 mehr al 600 Verdachtsberichte zu Nebenwirkungen nach Botox-Injektionen vorlagen, darunter 28 Todesfälle." (FOCUS 36/2008 S.60)

 

Auf Nachfrage bei der EMEA in London wurde uns allerdings mitgeteilt, dass solche Berichte dort nicht bekannt seien. Solange wir zu diesem Bericht keine näheren Informationen haben, möchten wir uns hierzu nicht konkret äußern.

Richtig stellen möchte die DGBT allerdings die Aussage: "Zwar versucht die DGBT mit einem Botox-TÜV das Quacksalber-Image loszuwerden. Doch was ist ein zweitätiger Kurs im Vergleich zu einer mehrjährigen Facharztausbildung?" (FOCUS 36/2008 S.62). Dies ist so nicht richtig:

Die DGBT bietet keinen Ersatz für eine Facharztausbildung, sondern einen Zusatz zu einer Facharztausbildung an. Die DGBT setzt sich aktiv dafür ein, dass Ärzte auf der Basis einer wissenschaftlich-theoretischen, sowie praktischen Aus- und Weiterbildung die ästhetische Botulinumtoxin-Therapie sicher handhaben und einsetzen. Dafür bietet die DGBT standartisierte, von den Ärztekammern zertifizierte Schulungen an, die durch regelmäßige "Update-Kurse" mit Re-Zertifizierung ergänzt werden.

In dem Text wird weiterhin impliziert, dass die DGBT durch ihre Kurse Angebote in Urlaubshotels im In- oder Ausland fördert. Hierzu ist zu sagen, dass wir gerade dies nicht tun. Wir setzen uns aktiv gegen Billigangebote, wie "Botox to go" und "Botox-Parties" und den Einsatz in Kosmetikstudios ein, da sie mit unserem Verständnis von verantwortungsvoller Arbeit nicht vereinbar sind. Wir erlauben uns, Mitgliedschaften zu kündigen, sollten unsere Prinzipien verletzt werden.

Gerade die aus dem FOCUS-Artikel entwickelte dpa-Meldung verfälscht das Bild des Botulinumtoxins. Gerne möchten wir uns auch hierzu äußern:

Botulinumtoxin A ist eine der meist erforschten Wirkstoffe der Welt und ist in mehr als 75 Ländern für unterschiedliche Indikationen zugelassen. Mit über 4.000 wissenschaftlichen und medizinischen Publikationen zählt Botulinumtoxin A zu einem der am umfassendsten erforschten und dokumentierten Wirkstoffen der Welt. Er wird seit knapp 20 Jahren erfolgereich bei einer ganzen Reihe von Krankheitsbildern, die für die meisten Patienten körperlich und psychisch enorm belastend sind, eingesetzt - beispielsweise bei schweren neurologischen Bewegungsstörungen, wie der zervikalen Dystonie, Spastizitäten oder Infantiler Zerebralparese. Die Patienten haben ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko durch die zugrunde liegenden Krankheiten, Begleitmedikationen und andere Risikofaktoren, die ihrerseits schwere Nebenwirkungen bedingen können. Wenn ein unerwünschtes Ereignis nach einer Behandlung mit diesem Medikament stattfand, also in einem zeitlichen Zusammenhang steht.

In der fast 20-jährigen Geschichte des Botulinumtoxins und nach Millionen erfolgreichen Behandlungen sind Berichte über schwerwiegende unerwünschte Ereignisse sehr selten. In der kosmetischen Anwendung liegen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte keine Berichte über schwerwiegende oder gar tödlich verlaufende Nebenwirkungen nach Anwendung von Botulinumtoxin vor (Deutsches Ärzteblatt, 01. September 2008, Risikoinformationen auf der Homepage des BfArM vom 4. September 2008). Hier, wie auch in der Neurologie gilt: Wird der Wirkstoff in korrekten Dosen durch erfahrene und fachkundige Ärzte angewendet, ist er unersetzlich und wertvoll für viele Patienten auf dieser Welt.